«Unsere Aufgabe ist es, die Menschen in Bewegung zu bringen»

Marian Märki02-19-20262 min. Lesedauer

Der brasilianische Carneval steht für pures Lebensgefühl. Auch im Moods wird diese Tradition seit mehreren Jahren mit allem, was dazugehört, gefeiert. Doch was macht die Faszination aus? Wir haben mit den Leiterinnen der Zürcher Percussiongruppe Borumbaia darüber gesprochen.

Der Tropikaos Carneval von Adalu ist seit fünf Jahren eine fixe Grösse im Moods-Programm. Die Tickets dafür gehen jeweils weg wie warme Weggli. Auch in diesem Jahr ist das bunte Fest bereits wieder ausverkauft. Doch warum? Was macht die Faszination aus?Zwei, die das wissen, sind Anna und Gloria. Sie sind die Leiterinnen des Zürcher Percussion-Kollektivs Borumbaia, welches gemeinsam mit anderen perkussiven Gruppen aus Zürich jeweils den Carneval im Schiffbau mit dem «Bloco de Rua» im Foyer eröffnen. Sie beide sind seit der ersten Ausgabe mit dabei und immer noch begeistert: «Es ist jedes Jahr eine Ehre, Teil vom Carneval zu sein, der so viele Menschen durch Rhythmus verbindet. Und egal, wie oft wir es erleben, es bleibt pure Freude.» Faszinierend sei vor allem die Kraft des Events, betonen die beiden. Besonders beim Bloco de Rua, wenn alle Trommelgruppen zu einem grossen Ganzen verschmelzen: «In diesem Moment liegt etwas Kraftvolles, eine Energie, die sich auch auf das Publikum überträgt und einen gemeinsamen Herzschlag entstehen lässt.»Und der Herzschlag, wie sie es nennen, ist zentral. Denn die Percussion-Gruppen im Carneval sind das Herz der Veranstaltung. Sie geben den Rhythmus vor, treiben den Umzug an und verbinden Tänzer*innen, Publikum und Atmosphäre miteinander. Oder wie es Anna und Gloria einfach zusammenfassen: «Unsere Aufgabe ist es, die Menschen in Bewegung zu bringen.»An dieser Aufgabe scheinen viele Leute gefallen zu finden. Borumbaia hat sich seit der Gründung vor fast zehn Jahren zu einer der grössten Percussion-Gruppe der Schweiz gemausert. Begonnen habe es mit zwölf Mitgliedern, mittlerweile sind es fast 70. Die Gründe für den stetigen Zuwachs seien vielfältig, wie beide betonen: «Wir sind so gross geworden, weil es nicht nur ums Musikmachen geht. Es ist einfach schön, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.» Diese Atmosphäre ziehe ganz natürlich neue Mitglieder an. Dass die Gruppe von Frauen geleitet wird, mache ebenfalls einen Unterschied: «Viele fühlen sich dadurch repräsentiert und inspiriert, was sie ermutigt, bei uns mitzumachen.»Zudem muss man auch kein Profi sein, um mitzumachen. Die Gruppe sei so bunt wie der Carneval selbst und besteht aus Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Altersgruppen und Hintergründen. Alle seien willkommen, denn was verbinde, sei die gemeinsame Leidenschaft für Musik und Gemeinschaft.Diese Gemeinschaft spüre man nicht nur bei den Auftritten, die über das ganze Jahr verteilt sind, sondern auch in den Proben. Einmal pro Woche übe man in drei unterschiedlichen Niveaugruppen und lerne neue Rhythmen, aber teile vor allem schöne Momente miteinander. Dies stärke nicht nur den musikalischen Zusammenhalt, sondern auch die sozialen Bindungen, sodass sich alle jedes Mal auf den Probentag freuen würden.Noch grösser ist die Vorfreude auf den Tropikaos Carneval – und dies nicht nur wegen der Musik und der besonderen Atmosphäre. «Der Carneval bringt Wärme in den kalten Zürcher Winter, musikalisch wie auch menschlich», sagen Anna und Gloria unisono und fügen an: «Diese Kombination aus Energie, Gemeinschaft und Lebensfreude ist einzigartig.»