Magnifico füllt mit seiner bunten Feelgood-Musik Hallen und Stadien. Zugleich singt der Slowene gegen Klischees an und ruft zu Respekt und Empathie auf.
Nur schon seine Erscheinung rechtfertigt den Künstlernamen: Magnifico (zu deutsch etwa: «grossartig») betritt die Bühne stets in Hemd und Anzug, akkurat gekämmt, den Schnauz frisch gepudert. Er begrüsst sein Publikum nicht überschwänglich, aber freundlich und bewegt sich mit einer Eleganz, die wie seine Stimme solid, aber zuweilen auch etwas heiser wirkt. Und wenn er dann loslegt mit seiner Show, beginnt sein Name zu glitzern, zu funkeln und schunkeln.Viele haben schon versucht, den Sound dieses slowenischen Sängers, Gitarristen, Songschreibers und Entertainers, der 1965 in Ljubljana als Robert Pešut geboren ist, zu beschreiben. Erfolglos: Für das, was Magnifico auf die Bühne bringt, gibt es keine Formel.Er wechselt fliegend vom deftigen Funk zum Cha-Cha-Cha-Schlager, covert die Soulqueen Sade und den Folkgott Bob Dylan, animiert seine Bläser zum treibenden Balkan Brass und Gypsy Swing, um dann einen Rap in der Machart Jovanottis aufs Parkett zu schmeissen. Dazwischen gehts mit Calypsos in die Karibik, mit Country-Folk in die Prärie und schrill-schrullig in den 70er-Discokeller. Und immer wieder zurück auf den Balkan. Seine Mitmusiker sind formidabel, er selbst ist ein solider Gitarrist, vor allem aber ein gewiefter Soundmanager und Entertainer.
Er singt auf Serbisch, Romanes und «Inglish»
Halleluja! Das sagt er oft nach seinen Songs oder wenn er dem Publikum eine Botschaft mitgibt. Halleluja! Und ja, es ist ein Glück, dass der Charmeur mit den gewinnenden Knopfaugen überraschenden Klartext singt. Mit Schalk und Selbstironie singt er auf Serbisch, Romanes (der traditionellen Sprache der Sinti und Roma) und in einem klischiert gebrochenen «Inglish». Aber dennoch so klar und deutlich, dass er jeden Abend zum Anti-Macho wird. Magnifico singt an gegen Klischees, indem er sie ironisiert und hinterfragt. Und er stellt sich nonchalant, aber umso wirkungsvoller gegen Fremden- und Frauenfeindlichkeit, gegen Homophobie und all den Müll, der für gewisse Influencer, Popstars und Politiker zur Selbstverständlichkeit geworden ist.Seit über 30 Jahren ist Magnifico schon unterwegs. Nicht nur auf dem Balkan, dessen anhaltende Instabilität er mühelos wegsingt, sondern in ganz Europa – und jetzt auch für zwei Konzerte in der Schweiz. Halleluja!Frank von Niederhäusern, kulturtipp Der Beitrag erschien in der aktuellen Ausgabe des Kulturtipp. Mehr Infos und Abos auf gibt es kulturtipp.ch