Justina Lee Brown: Africa calling!

Marco Piazzalonga03-19-20263 min. Lesedauer

Neue Band, neues Album – Justina Lee Brown ist nach ihrer Babypause am Durchstarten. Mit dem Mitte November erscheinenden «Echoes Of Home» kehrt die aus Nigeria stammende Swiss-Blues-Challenge-Siegerin von 2019 und zweifache Swiss-Blues-Award-Trägerin zu ihren Anfängen zurück und besinnt sich ihrer afrikanischen Wurzeln.

Jazz'n'more: Die Frage gleich zu Beginn: Warum ein «African Album»?Justina Lee Brown: Ich spürte, die Zeit war gekommen! Vor 24 Jahren in Nigeria landete ich meinen ersten Hit. Jener Sound hat mich bis heute im ganzen Land bekannt gemacht. 20 Jahre ist es aber mittlerweile her, seit ich das letzte Mal ein Afro-Album für meine Community produziert habe. Als ich nach Europa zog, fand ich meinen Weg mit Funk, Soul und Blues – ohne aber mein afrikanisches Fundament zu verleugnen – dieses war immer da. Doch als ich vor fünf Jahren wieder meine Heimat besuchte, baten mich Freunde und Fans um ein Album mit Afro-Sounds. So begann ich nach meiner Rückkehr, Songs zu schreiben. Ich bin begeistert, diese nun sowohl mit meiner Funk-Soul-Blues-Crowd als auch mit den Leuten zu Hause zu teilen, denn es entstand eine Art Afro-Blues-, Afro-Soul- und Afro-Contemporary-Mix.JNM: … und der Approach beim Songwriting?JLB: Der Grundgedanke war, etwas zu kreieren, das die Leute glücklich macht, feiern lässt und in eine positive Richtung weist. Doch während des Entstehungsprozesses überschlugen sich die Ereignisse. Zum einen überrollte uns Corona, hauptsächlich aber machte mich die brutale Gewalt gegenüber schwarzen Menschen in Nigeria, in Amerika, in anderen Weltgegenden betroffen. Deshalb tragen viele Songs auf dem Album eine Message gegen Gewalt an meinem Volk, an afrikanischstämmigen Menschen. Und schliesslich mischten sich auch noch ein paar ganz persönliche «Heartbreaks» darunter. All dies hat sich dann im Songwriting bemerkbar gemacht.JNM: Wie wurde das Album produziert?JLB: Ich habe Demos vorbereitet, d. h., Rhythmen und Beats festgelegt, die Melodien der Songs gesummt oder gesungen und das Ganze dann an befreundete Produzenten in Nigeria geschickt. Sie haben meine Ideen aufgenommen und mir zurückgesendet. Dann bin ich in Zürich ins Studio und habe zusammen mit meinem langjährigen Mitmusiker, dem Perkussionisten David Stauffacher, dieses Rohmaterial durchkämmt. David hat grossartige Arbeit geleistet. Wir diskutierten, was bei welchem Song nötig war oder worauf wir verzichten konnten. So haben wir das Album nach unseren Vorstellungen fertiggestellt. All die Gesangsspuren, auch die Chorstimmen, habe ich selbst eingesungen.JNM: Wurden die Backing Tracks mit echten Instrumenten eingespielt?JLB: Jeder dieser Produzenten ist gleichzeitig auch Musiker und beherrscht mehrere Instrumente. Sie haben die Beats teils programmiert, teils live aufgenommen. Alles andere wie Gitarre, Bass, Keyboards etc. ist handgemachte Musik. Für weitere Instrumente haben sie irgendwelche Kollegen aufgeboten. Und auch hier in Zürich wurde noch die eine oder andere zusätzliche Drums- oder Gitarrenspur eingespielt.JNM: Nach der Babypause geht es nun weiter mit dem neuen Album und vielen Konzerten, vor allem im Ausland. Was hat sich mit der Geburt deines Sohnes verändert?JLB: Oh, alles! Mutter zu sein, hat mich demutsvoll gemacht. Ich war schon immer bestrebt, ein demütiger Mensch zu sein, aber dies hat mir neue Dimensionen offenbart. Ich verstehe, was wirkliche, vorbehaltlose Liebe sein kann. Und ich fühle, dass, Mutter zu sein, mir grosse Stabilität verleiht. Mein Leben war stets eine Achterbahn. Ein wirkliches Daheim hatte ich nie. Als Kind in Lagos lebte ich auf der Strasse. Später dann pendelte ich zwischen London, Paris, Zürich oder weiss wo immer! Nun habe ich einen Fixpunkt, trage Verantwortung auf einem neuen, viel höheren Level. Ich kann hinausgehen, meine Musik spielen, doch habe ich nun einen Ort, den ich mein Zuhause nennen kann. Ein Ort, wo jemand auf mich wartet, für den ich zu sorgen habe. Und dafür bin ich extrem dankbar. Und ich weiss, dieses Gefühl, diese Stabilität wird sich in Zukunft auch in meiner Musik klar offenbaren.Marco Piazzalonga, Jazz’n’moreDieser Artikel erschien in der November/Dezember 2025-Ausgabe des Jazz'n'more.

Justina Lee Brown im Moods