From the Scene: Andreas Tschopp über Zeit und Space

Andreas Tschopp03-31-20263 min. Lesedauer

Im Format «From the Scene» kommen Musiker*innen aus dem Moods-Kosmos zu Wort. In der aktuellen Ausgabe sinniert Andreas Tschopp über Zeit und Raum.

Es ist der 24. März, ich habe einen Tag Zeit um diesen Text zu schreiben. Eine Momentaufnahme, ohne langes Planen und Redigieren. Was bewegt mich? In erster Linie, direkt auf die Aufgabe bezogen: dass ich nur einen Tag Zeit habe. Das Fragmentierte des freischaffenden Daseins, typische Situation und immerwährende Herausforderung.   Zeit   Und Space   Die wiederkommenden grössten Wünsche. In jedem Notizbuch seit Jahrzehnten mehrfach festgehalten. Einer nachhaltigen Lösung scheine ich nicht unbedingt näher zu kommen. Temporärer aber schon: Freude am Prozess vs Obsession übers Resultat.  Beglückende Tage sind wenn Vertiefung gelingt.Lieblingsbücher die entweder über 1000 Seiten an einem Tag spielen oder in 300 Seiten über hundert(e) Jahre. Meine musikalische Welt funktioniert momentan ähnlich. Gerade habe ich mein Soloprogramm uraufgeführt und auf dem Album What If We Align Our Breath veröffentlicht. Es kondensiert meine musikalische Geschichte in 30-45 Minuten Musik. Meine Bands demgegenüber arbeiten seit 14, 17, 20 Jahren am Vertiefen der jeweiligen Sprache. Musikalisch und spirituell, als Gruppe.Zeit ist relativ, sie verläuft in alle Richtungen. Am inspirierendsten ist für mich wenn jemand konzentrisch den Blickwinkel wechseln kann. Auf eine andere Zeitebene springt, die Gravitation der Konversation überlistet.Solcherart Blogs und Formate können Sprungbrette hierfür sein. Aber vielleicht fast eher wenn sie als Gespräch funktionieren als wenn man über sich selber berichtet. Wie auf splatz.space oder im Bomb Magazin zum Beispiel.Meine drei liebsten Printabos: Bomb, Wire, WOZ. Printabos = Zeit, Vertiefung  Beglückende Tage sind wenn Fluss im Spiel ist.Ich schreibe diesen Text im Zug, fahre nach Sankt Gallen und zurück, ohne Verpflichtung, um in Bewegung zu sein. Das GA ist der sinnvollste Luxus den ich mir leiste. Durch Städte streifen ohne Ziel aber mit allen Sinnen offen. Die eigene, Zürich. Mir neue, auch mir fremde Städte. Liebgewonnene, immer wieder besuchte.Buchstäblich Gewässern in Bewegung zuschauen. Die Zufälligkeit, Unvorhersehbarkeit und Beständigkeit von Wellen, stundenlang. Organisch und chaotisch, immer beides.Eine Bewegung bedingt die vorherige, ergibt die nächste. Aus dem Stillstand entsteht nichts. Ruhe ist nicht Stillstand sondern Kraft. Nach diesem Fluss suche ich im kreativen Prozess, in kleinen wie in grossen Bogen.Künstler*innen die mich diesbezüglich inspirieren, explizit und implizit: Richard McGuire, Meshell Ndegeocello  Beglückende Tage sind wenn ich lerne.Neue Klänge, selbst gemachte oder von aussen geschenkte. Neue Instrumente, digital oder analog. Sprachen, und sei es nur um an der Oberfläche zu kratzen oder eine Schrift zu entziffern. Bewegungen. Das Glücksgefühl beim Entdecken eines neuen Bewegungsablaufs, einer Entspannungsmöglichkeit im Feldenkrais. Random Rabbitholes. Der Rausch und der Luxus, sich die Zeit zum Versinken nehmen zu können.Meine letzten Rabbitholes (gemäss Youtube Verlauf): isiZulu, sp404, feldenkraisDas Lernen im Austausch. Von Freund*innen und Fremden, in Frage gestellt zu werden. Auch, zu merken wie schwer es manchmal fällt, offen zu sein für das Aufweichen von Gewissheiten. Und dann die Freude, das schwindlig machende Erahnen der Möglichkeiten, wenn das Lernen über das Recht haben gewinnt.  Was jetzt grad war: What If We Align Our Breath
Posaune, mein Hauptinstrument der letzten fast dreissig Jahre. Blockflöten, meine erste langjährige musikalische Passion. Quer- und Alpenflöten, Okarinas, von meinem Grossvater getöpfert. (Oder von meiner Tante, so genau weiss man das nicht mehr) Effekte, Tape Loops, Cymbals, Bells, Sampler. Und im Zentrum, Auslöser und Motor: Kudu Hörner, traditionelle Signalhörner aus Südafrika. Klänge aus unterschiedlichsten Zeiten und Orten, durch Zufall logisch verbunden. Wie letztlich wir alle. What If We Align Our Breath?  Was jetzt dann gleich kommt: SKYJACK Tour, unter anderem im Moods
Seit über zehn Jahren habe ich das Glück, regelmässig in Südafrika zu sein und mit der dortigen Musikszene immer weitere und tiefere Kontakte zu knüpfen. Das Zentrum und die Konstante dieser Beziehung ist diese Band, SKYJACK. Was für ein Geschenk, über die Musik Freunde auf anderen Kontinenten zu gewinnen, gemeinsam zu kreieren. Musik, Möglichkeiten, Energie, Erkenntnisse.Gemeinsam vertiefen, fliessen, lernen.Mehr zu Andreas Tschopp: Webseite / Instagram

Andreas Tschopp im Moods

  • Album Release «Let The Sky Open Under Your Feet»

    • Skyjack

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